Kleiderordnung
Die Sonne war bereits aufgegangen und schien mit Kraft in das Zimmer.
Es war Mai und die Bäume schoben draußen ihre neuen Blätter an die Luft, damit sie sich nun endlich entfalten sollten.
Im Zimmer lag Monika, die Augen noch fest geschlossen und die Decke über die Ohren gezogen. Aber es war eine dünne Decke und die Stimme der Amsel zu laut, um sie überhören zu können.
Sie flötete ihr Lied in alle Himmelsrichtungen und gab sich große Mühe besonders laut dabei zu sein.
Doch dann wurde sie aufgeschreckt vom heranbrausenden Straßenfegerauto.
Dieses bewegte sich schnaufend und bürstend auf dem Gehweg voran.
Der Fußweg musste wohl sehr verschmutzt sein, denn es dauerte ganze 15 Minuten.
Danach jedoch zog wieder Stille ins Wohngebiet und Monika schlummerte sacht zurück ins Land der Träume.
Sie wurde nach 5 Minuten wieder kurz wach, als ihre 6 jährige Tochter zu ihr ins Bett schlüpfte mit den Worten: „Bei Dir ist es immer so schön kuschelig Mama“.
Beide schmiegten sich aneinander und dösten ein.
Gerade als die Atemzüge tiefer und entspannter wurden, meldete sich Ulli im Gitterbett, auch er wollte am Kuschelgeschehen der Familie teilhaben und kletterte über sie Absperrung.
Nach ein paar Schlaftrunkenen Schritten war er am Bett der Mutter und drängelte sich mit hinein.
Das Bett war jetzt restlos überfüllt und man begann sich gegenseitig zu schieben und zu drängeln, um die schönste Stelle in der Lagerstätte zu ergattern.
Monika legte sich schon auf die Seite, so war sie schmaler und die Kinder hatten mehr Platz zur Verfügung, um sich dann doch wieder so dicht es ging an die Mutter anzuschmiegen, so das keine Briefmarke dazwischen gepasst hätte.
Das Anfangs müde Kuschelritual, wich bald einem fröhlichen Schiebe und Drück Wettkampf.
Bis der Wecker den Startschuss gab und Monika ins Bad schlürfte.
Die Kinder stritten munter weiter, um den nun freigewordenen Platz im Bett.
„Mamaaa“ schrie Liesa in einen Ton, der jetzt auch die Nachtbarn weckte,“ Ulli hat mich getreten!“
„Mamaaaaa“ schrie Ulli noch lauter,“ Liesa hat mich gekniffen!“
Monika stöhnte: „Nicht ein mal auf dem Klo hat man hier seine Ruhe!“
Sie brach ihr Geschäft ab und eilte ins Schlafzimmer.
„So, aufstehen jetzt und anziehen.“ War die klare Anweisung einer starken Mutter.
„Du hast aber die Sachen noch nicht hingelegt!“ konterte das kleine sechsjährige Monster lächelnd mit einer Zahnlücke.
Monika ging zum Fenster öffnete es und blickte hinaus, um die Wetterlage zu prüfen.
Die Sonne schien warm, zu warm für die dicken Winterklamotten an diesem Tag.
Der Hochdruck Einfluss hatte so stark zu genommen, das es gefühlte 17 Grad sein könnten.
Warum konnte es nicht allmählich wärmer werden, damit man sich als Mutter auf diesen Wechsel, kompletter Kinderkleidung einstellen konnte?
War es nur hier so warm? Möglicher Weise pfiff der Wind ja hinter den nächsten Ecke eisig oder es würden Regenwolken aufziehen?
Die Vögel zwitscherten, Monika stöhnte vor Verzweiflung.
Die Thermohosen waren heute wirklich nicht angebracht, also:“ Sommersachen rausmölen!“
Die Sommerhosen befanden sich natürlich unter den Wintersachen.
Das Bedeutete, tief graben und einen Berg jetzt nutzloser dicker Hosen auf dem Teppich zu verteilen.
Nach 20 unbrauchbaren Hosen, tauchten endlich die ersten Sommerhosen auf.
Doch was war das, die einen waren zu kurz, die anderen zu lang.
Die Kinder mussten es sich gefallen lassen, dass Monika jede einzelne Hose an ihnen maß und steckte.
Sie drehte und fühlte, legte weg und nahm wieder in die Hand.
Der Berg vor dem Schrank wurde immer größer und Monika immer kleiner.
„Diese hier ist gut“ meinte Monika, dabei war unklar ob sie mit der Hose sprach oder mit einem Kind.
Liesa zog die Hose bereitwillig an, da ein hübscher Schmetterling auf der Hosentasche war.
Die Mutter lächelte glücklich und wollte ihrem Sohn auch in eine Hose helfen.
„Hier fehlt der Knopf!“ stellte Liesa in der Zwischenzeit fest.
„Zieh die Hose wieder aus.“ Sagte die Mutter traurig, und begann erneut damit ihre Arme im Kleiderberg zu versenken.
Die eine Hose wurde mit „Die zieh nicht an!“ abgelehnt die andere hatte es wie auch immer geschafft im letzen Sommer dreckig im Schrank zu landen.
Die dritte war dann noch zu dünn und die vierte konnte dann endlich getragen werden.
Nun brauchte Monika nur noch die passenden Oberteile heraussuchen.
Das nur noch dauerte eine weitere halbe Stunde.
Die Kinder waren frisch eingekleidet und die Schränke ausgeräumt.
Später, wenn die Kinder in der Kita sind wird sie wieder an den Schränken sitzen und jedes Kleidungsstück drehen und bewerten.
Manche werden die Wohnung verlassen müssen, andere werden nur um gestapelt,
repariert und gewaschen.
Alles neu macht der Mai, nicht nur in der Natur, sondern auch in unseren Kleiderschränken.
Was diese Jahreszeit doch für eine gewaltige Kraft hat, sie lässt Blätter wachsen, erzeugt heiße Frühlingsgefühle bei Mensch und Tier und bringt uns dazu, unsern Kleiderschrank aufzuräumen. Danke an den Mai!
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Autor: Senga Hacker Die Weiterverbreitung ist vom Autor untersagt
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